AOma und Opa Auedeich

Albrecht, Heinrich Wilhelm Diedrich, 
gen. Diet'n
geb. 29.05.1890 in HF 
gest. 24.10.1970 in HF
verh.
05.08.1914   in HF
Baack, Marie Catharine  Helene 
gen. Trine
geb. 04.04.1893   HF 
gest. 22.02.1984 Weihe
                      

Claus Diedrich Johann Wilhelm Albrecht
                                              
Opa Auedeich
soll noch einen Halbbruder mit Namen Paul Harms (von der späteren Wirtschaft) gehabt haben. Wer da mit wem und warum, habe ich nie zu Hinterfragen gewagt. Ich habe ihn aber noch ganz schwach in Erinnerung und glaube, er war der ältere von beiden.
Oma Auedeich
                             



Geburtsurkunde  Nr. 9


Finkenwe(nanu)rder,  am  3  Juni                 1890

Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute, der Persönlichkeit nach
                                                                            bekannt
die    Frau    Margarethe    Maria    Elisabeth    Lindemann
geb.   Heitmann/ genannt Scheffel ? ------------------------------------------------
wohnhaft zu   Finkenwerder
------------------------------------------------Religion, und zeigte an, dass von der
Margarete    Pauline    Albrecht    geborene      Harms
lutherischer     Religion,     Ehefrau    des    Schiffer    Johann
Wilhelm     Diedrich    Albrecht                         lutherischer               Religion
wohnhaft   bei    ihrem    Ehemann    zu      Finkenwerder
zu    Finkenwerder    in    der    Wohnung    ihres    Ehemannes
am    neunundzwanzigs    ten       Mai  ---------      des Jahres
tausendachthundert  ----- zig    und  neunzig       morgens
um   --------------- acht      Uhr  ein  Kind männlichen
Geschlechts geboren worden sei, welches ------ die ------------ Vornamen
Heinrich    Wilhelm     Dietrich
erhalten habe.  Die    Frau    Lindemann    erklärte,    dass    sie
bei    der    Niederkunft    der    Ehefrau    Albrecht
zugegen    gewesen    sei.
    Vorgelesen,    genehmigt    und       Maria Lindemann  

Finkenwerder   am  1   März -----  1935
Standesamt Nr. 10
 
Geburtsurkunde
 Nr. 30
Finkenwärder, am 9. April-------------1893
Vor dem unterzeichneten Standesbeamten erschien heute, der Per-
sönlichkeit nach durch Heiratsurkunde--------
---------------------- anerkannt
der Fischer  Claus Dietrich Baack
-----------------------
wohnhaf zu Finkenwärder  ??????????
--------------lutherischer Religion, und zeigte an, daß von der
Anna     Magaretha     Christine      Baack,
geborene     Sager,   seiner    Ehefrau
--------------------
----------- lutherischer Religion wohnhaft
bei ihm
zu Finkenwärder in seiner Wohnung
am vierten April --------------- des Jahres
tausendachthundert neunzig und drei ---- vor mittags
um ------- acht -----Uhr ein Kind weiblichen
Geschlechts geboren worden sei, welches die   Vornamen
---- Marie    Catharine    Helene -----------
erhalten habe
Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben
        C. D.  Baack
 Finkennwärder am 28 ten Februar  1935
                                                  
Von mir Opa Auedeich genannt, war vor und während des ersten
Weltkrieges bei  der Marine. Er kniet mit dem Kopf zwischen den
beiden Schwarzuniformierten.
Marie Catharine (Trine) Helene Baack, hier mit
17 und 19 Jahren.
                                    


Heiratsurkunde                   Nr.   3
Finkenwerder   am fünften
  Juni         tausend  neunhundert     und  vierzehn
Vor den unterzeichneten Standesbeamten erschienen heute zum
Zwecke der Eheschließung:
1. der    Kastenschutenschiffer    Heinrich
    Wilhelm    Dietrich     Albrecht
    der Persönlichkeit nach                                                 bekannt
    lutherischer Religion, geboren am    neunundzwanzigs ten
     Mai      des   Jahres   tausend    acht    hundert
    neunzig                      zu      Finkenwerder
                                   wohnhaft in Finkenwerder
Sohn des Arbeiters    Johann    Wilhelm
    Dietrich    Albrecht    und    seiner    Ehefrau
    Margaretha    Pauline   geborene  Harms    ?......? wohnhaft
    in Finkenwerder
2. die Haustochter   Marie   Catharine
    Helene    Baack
  der Persönlichkeit nach                                           bekannt
  lutherischer Religion,  geboren  am    vierten
  April        des    Jahres     tausend  acht   hundert
  dreiundneunzig    zu  Finkenwärder
                                    wohnhaft   in Finkenwärder
Tochter des   Arbeiters  Claus  Dietrich   Baack
     und seiner Ehefrau Anna Margarete
    Christine geborene Sager beide wohnhaft
    in  Finkenwärder
Als Zeugen waren zugezogen und erschienen
 3. der Händler  Heinrich  Meier
  der Persönlichkeit nach                                      bekannt
  30 Jahre alt, wohnhaft in  Finkenwärder
4.   der  Arbeiter  Paul  Harms
  der Persönlichkeit nach                                  bekannt
28  Jahre alt, wohnhaft in  Finkenwerder
  Der Standesbeamte richtete an die Verlobten einzeln und
        nacheinander die Frage:
             ob sie die Ehe miteinander eingehen wollen.
          Die Verlobten bejahten diese Frage, und der Standesbeamte
        sprach hierauf aus,
              daß sie kraft des Bürgerlichen Gesetzbuchs nunmehr recht=
               mäßig verbundene Eheleute seien.
            Vorgelesen, genehmigt und unterschrieben
        Heinrich Wilhelm Dietrich Albrecht
        Marie Catharine Helene Albrecht  geborene
        Baack.  Heinrich Meier.  Paul Harms
        Der Standesbeamte
           gez. Fock
                                  
                              

Oma Trine Albrecht, geb. Baack mit meinem Vater Johann Albrecht -tatsächlich im Kleid!!! und Opa Dieten Albrecht.




                                                             Linientaufurkunde am 13. Jan.1913  auf  00°00´´0´  108°14´´0´  E
                                                                                                          (Zwischen Sumatra und  Indonesien)

                           

Gleich nach ihrer Hochzeit kam er auf die Gneisenau, die zum Kreuzergeschwader gehörte, und fuhr noch zu Friedenszeiten mit ihm zur ehemalige deutsche Kolonie nach Kiautschou in China. Von dort aus machten sie viele Besuche u. A. auch nach Japan usw. Auch der Kronprinz war an Bord, der anläßlich eines Besuches auf einer Insel einen Ausfall hatte. Er muß einen Hitzeschlag bekommen haben, wie mein Großonkel August in seinem Brief aus Ponape schrieb.  Oben ist die Gneisenau unter Volldampf zu sehen; konnte aber später den Engländern bei den Falklands nicht entkommen. Die beiden Onkel meiner Mutter, August und Artur Lorenz, fuhren als Funker bzw. Obersignalmaat ebenfalls auf der Gneisenau. August wurde nicht abgelöst, er blieb an Bord und ging im verlaufe des Krieges bei den Falklands mit der Gneisenau am 8.12.1914 unter. Am 29.5.1913, noch vor Kriegsausbruch, wurde ein Teil der Besatzung der Gneisenau  ausgetauscht. Mein Großvater kam, zusammen mit meinem Großonkel Artur Lorenz, in die Heimat zurück und sah dort zum ersten mal seinen Sohn Klaus Dietrich Johann Wilhelm, meinen Vater. Auf den ganzen Postkarten, die  Opa Auedeich aus Tsingtau geschickt und die  Oma Auedeich, mir als Kind gezeigt hat, waren bis auf einige ganz wenige Ausnahmen, alle Briefmarken abgelöst worden. Auf meine Frage, wo denn die Briefmarken abgeblieben sind, antwortete meine Oma: Die hat dein Vater abgelöst und  seinem Lehrer, Adolf Albershard, der ja auch noch mein Lehrer gewesen war, geschenkt.  Ich fand es schade, aber was sollte ich machen.
Bei diesen Andenken war auch eine ganze Menge Papiergeld.  Es war das Geld vor der Inflation. Es waren Tausende von Reichsmark, für deren damaligen Nennwert man heute nicht mal das damit bedruckte Papier bekommen würde.
Das alles ging bei der Flut verloren und wurde entsorgt  (schade). Darunter war auch ein ca. 30 cm breites und 50 cm hohes kunstvoll besticktes Seidentuch, das als Bild in einem Bilderrahmen war und in der guten Stube über dem kunstvollen Sofa hing. Ich kann mich noch an einen eingestickten Drachen und ein eingearbeitetes Foto von meinem Opa, sowie eine gestickte Abbildung der SMS Gneisenau erinnern.

Während des Krieges, also gleich nach seiner Rückkehr, wurde er auf ein Vorpostenboot versetzt. Das Vorpostenboot pendelte zwischen Schlicktown (Wilhelmshaven) und Helgoland. Während der Fahrt war mein Opa Rudergänger und im Hafen hielt er Wache an der Gangway. Er hatte mir auch mal die Bezeichnung für diesen Job genannt, habe ihn aber wieder vergessen.
              


                                 
Bilder oben: Auedeich 130, später dann, ohne die Anlieger zu informieren (!), Auehauptdeich 130. Das Foto oben muss ein Älteres sein, da ich den weißen Mast und die Form der Fenster nicht mehr kennen gelernt habe. Wegen des Mastes nehme ich an, daß das Bild aus dem 12 Jahre währendem 1000 jährigen Reich stammt, also somit ca. 70 Jahre alt ist. Wer damals oben gewohnt hat, kann ich nicht sagen, aber dort, wo der Schnee abgetaut ist, ist der Küchenbereich für die obere Wohnung, die wir später auch bewohnt haben. Was man nicht so genau sehen kann, ist, dass das Haus etwas schief steht. Unter der linken vordere Ecke des Hauses stand vorher ein alter Schuppen. Dadurch war der Boden dort bereits vorverdichtet und das Haus hat sich dadurch etwas schief gelagert. Aber was solls, wenn es zum Storchennest hin ein noch schieferes gibt. Rechts ist auf dem Foto noch der Pavillon vom Gastwirt Paul Harms zu sehen. Um den drehte sich meines Wissens der ganze Zoff. Übrigens, Paul Harms und mein Großvater waren Halbbrüder. Auf dem Lageplan ist rechts der Graben und links der Deich abgebildet. Das Haus grenzte mit seinem Schuppen direkt an den Graben. Wenn ich dort als Kind gespielt habe, war ich ständig unter Aufsicht meiner Großeltern. Einmal bin ich aber trotzdem entwischt und eigenständig nach Hause in den Jeverländerweg gelaufen. Meine Großeltern waren in heller Aufregung!

In dem Schuppen, achtern Hus, haben meine Großeltern 3 Schweine großgezogen. Es war damals gar nicht so einfach Ferkel zu bekommen. Dazu mussten die Lauscher auf Empfang gestellt werden, um mitzubekommen, welcher Bauer auf Finkenwärder gerade welche zu verkaufen hatte. Dann ist mein Großvater mit seinem Bollerwagen losgezogen. Dabei habe ich ihn als kleiner Junge hin und wieder begleitet und habe den Wagen von hinten geschoben. Manchmal so ungestüm, das mein Großvater vorne bremsen musste, damit er den Wagen nicht auf die Hacken bekam. Er hat es geduldig ertragen. Wenn die Schweine ca. 100 bis 120 Kg gewogen haben, ging es ihnen an den Kragen. Ein Schwein war für uns, eines behielten meine Großeltern und das Dritte wurde an Hinnifitz, dem Nachbarn von Oma Lorenz, verkauft. Dazu mußte das Schwein aus dem Koben  am Haus vorbei den Deich rauf wieder runter und in den Hänger. Das waren ungewohnte Anstrengungen für das Tier. Es hat sich mit 'Händen und Füßen' dagegen gewehrt aber Hinni hatte einen Trick. Er nahm den Futtereimer und hat ihm dem Schwein über den Kopf gestülpt. Das mochte das Schweinchen auch nicht und lief rückwärts um aus dem Eimer herauszukommen. Nun brauchte hinten am Schwanz nur noch einer kräftig steuern. Der Erlös vom diesem dritten Schwein diente unter anderem als Bezahlung für den Hausschlachter, der den ganzen Tag damit beschäftigt war, die beiden Schweine zu schlachten und zu verarbeiten. Obwohl es zu der Zeit noch nicht so besonders kalt war, gab es dabei ausreichend Grog und das auch den ganzen Tag lang – leider nicht für mich. Der Einfachheit halber wurde der Grog in einer großen Kaffeekanne gekocht und das sonst strenge Ritual des Grog genießens außen vor gelassen. Es wurde auch aus normalen Tassen getrunken, was ansonsten ein Sakrileg war. Zu Essen gab es an dem Tag nach getaner Arbeit immer Karbonade satt.
                     
So wurde in unserer Familie Grog getrunken, wenn entweder ein Feiertag war oder wenn auch 'nur' Besuch kam, also immer, wenn es gemütlich war oder werden sollte. Ob Sommer oder Winter
- eigentlich immer!
Der Anfang war nach dem Kaffee trinken, wenn der Tisch abgeräumt war und der Gastgeber, egal ob das mein Vater, Großvater Opa Auedeich oder meine Großmutter Oma Lorenz war, fragten 'wat wöt we den nu drinken'? Nach einigem gespielten hin und her, wurde dann Einstimmig unter beifälligem Gemurmel, auch eigentlich wie immer, beschlossen:  'Och, lot uns man  Grog nehm'. Denn würn de Glös upn Disch stilt un in't jedes Glas kem son Glasstöpsl, dormit dat Glas nich utenein geit, wenn dat kokende Woder rinkumt. Vör dat Woder würn de Fronslüh toständich un de käm'n mit'n kokenheit´n dampnden Ketel an Disch. Bi't Ingeit'n hebt se von al de Siden in dat Glas keken. Von bobn kun man, weil dat jo so dampn dä, nich seen, wo vul dat Glas wür. Und de, de von de Sid'n kik'n dän, müssn seggn: 'Noch'n lüttn, stop, nee lot man so, is god so, nich so veel'. Son richtiges tohop'n speeln, wo jederein wat seggen kun. Un so gün dat de ganse Reih rüm, bit jeder den glikn Woterstand in sin Glas har. Den kreich jederein twei Stückn Zugger un wenn he wul, ok drei. Dor käm dat nich so up an. Dat müß jeder so mok'n as he wul. Tolezt käm de Husher to sin grode'n Opdritt. He mok de Buddl opn un gäv se sin Nobor in de Hand un sä:' Mok du man den Anfang'. Jeder hät sik nu sovel Rum in sin Glas rinpladdert, as he man much. Platz no boben öber dat Woter wür jo noch genoch in't Glas.
De Fronslüh hebt sik 'n beten Eirlikör in er seute Brus ruert. Un den hebt se votelt, öber Düt un Dat ober meistns öber Em un Ehr. Hüttodoch würn we seggen: Se hebt ollich sludert.
Ober scheun wür dat doch.
                                      
Einmal waren mein Vater und ich auf unserem Schrebergarten, der in unmittelbarer Nähe zu dem von meinem Großvater lag, der plötzlich ganz aufgeregt ankam und mit meinem Vater tuschelte. Bevor ich etwas verstanden hatte, gingen die beiden im Stechschritt zur Parzelle meines Großvaters. Dort stand sein Bollerwagen, der sorgfältig abgedeckt war. Eines der drei Schweine war plötzlich gestorben und meine Großeltern wußte nicht woran. Es sollte auch keiner wissen. Nachher heißt es: Seuche im Haus..... böser Blick und an Hexen haben die schon immer geglaubt (was ich wirklich auch schon lange ins Geheimen vermutet habe. Auch bei meinen Eltern habe ich so etwas deutlich bemerkt!). Ich konnte mir ob der Geheimhaltung keinen anderen Reim darauf machen. Kurz und gut..... Es wurde in aller Stille, ohne kirchlichen Segen und letzte Ölung, bestattet. Wie mein Großvater den Handwagen mit dem verendeten Schwein darin den steilen Deich hinauf bekommen hat, ist mir ebenfalls ein Rätsel geblieben. Die andere Möglichkeit währe über die wirklich kleine Brücke, dann über den Hof von Hinnik Wittorf und den Köterdamm rauf zum Tuun, wo es nicht so steil war. Oder was wahrscheinlicher war, heimlich über das Grundstück von seinem Halbbruder.
    Im Winter war es dort im Haus im Keller auf dem Klo fast ebenso kalt, wie draußen. Ich weiß nicht mehr, wie sie es gemacht haben, damit nichts und auch der Arsch nicht einfriert. Die Wasseruhr jedenfalls wurde durch eine Kabellampe und Jutesäcke vor dem Frost geschützt. Der Keller auf dem Auedeich, so haben wir das Haus bzw. die Adresse genannt, war ein Zentraler Raum des Hauses. Zwischen Ostern und Pfingsten fing dort unten der große Frühjahrsputz an. Es wurde weder eine Ecke noch ein Staubkorn übersehen! Dann wurde er zur Sommerküchen befördert und eingerichtet und der Frühjahrsputz ging mit der gleichen Akribie oben weiter. So haben sie die Küche oben weitgehend geschont; die Stube ja sowieso – bis dann die Flut kam und alles was geschont wurde, mit einem mal ruiniert war.
Im Keller gab es eigentlich alles, was man zum Leben brauchte. Es gab dort einen Wasserkeller, der aber nicht mehr gebraucht wurde, seitdem es eine Wasserleitung gab. Ganz früher nahm man das Wasser aus den Ratten-Gräben, bis man erkannte, dass dadurch Krankheiten entstanden. Das war aber lange vor dem Bau des Hauses. Vor der Wasserleitung wurde in dem etwas vertieften, also etwa einen halben Meter unter dem Niveau des Kellerbodens eingebaute Wasserkeller, das Regenwasser aufgefangen. Wie es dort hinein kam, kann ich nicht sagen, aber wahrscheinlich über Rohrleitungen direkt von der Regenrinne incl. Vogelscheisse. Wenn ich mir die Maße so in Erinnerung rufe, dann kann es gut und gerne einen halben m³ Wasser gewesen sein, der dort rein ging. Rechts davon war ein gemauertes Doppelwaschbecken, dann kam ein Fenster vor dem die schwere und sehr unbequeme Holzbank stand. Das war der Stammplatz meines Großvaters, wenn er mal ausruhen wollte. Was neben der Bank war, kann ich nicht mehr sagen. Später hat mein Vater dort in dieser Ecke die Toilette gemauert. Das war also die Rückwand des Kellers. An der Seitenwand, gleich bei der Toilettentür, war die Kellertür, die nach draußen führte. Es war eine geteilte Tür, bei der man, wenn man wollte, nur das Oberteil öffnen konnte. Das ganze Haus war nicht isoliert und diese Tür schon gar nicht. Die Ritzen wurden im Winter mit allen möglichen Sachen abgedichtet. Meistens mit alten Jutesäcken und Putzlappen zu gestopft. Das half aber nur gegen Zugluft und das auch nur unzureichend. Ungefähr einen Meter neben der Tür begann bereits die Innenwand und gleich in der Ecke war eine Maschine an der Wand befestigt, mit der man Konservendosen verschließen konnte. Sie hatte oben ein großes Rad und an der Seite mindestens einen Hebel. Die Dose mit dem Deckel wurde auf einen sich lose drehenden Teller gestellt und nach oben gekurbelt, bis sie gegen den Drehteller stieß, der mit dem Rad fest verbunden war. Nun wurde das große Rad gedreht und gleichzeitig mit dem Hebel der Deckel vorsichtig umgebörtelt. Es ist möglich, dass noch ein zweiter Hebel benutzt werden musste. Ich durfte verständlicherweise nur zugucken, denn wenn ich etwas verkehrt gemacht hätte, währe eine Dose vergeudet worden und das währe bei der sprichwörtlichen Sparsamkeit meiner Großeltern, eine Sünde gewesen! Neben dieser Maschine, zur Hausmitte und damit zum Schornstein hin, stand erst ein Ofen und dann ein Gropen, in dem die Würste und auch die Dosen noch mal erhitzt bzw. gekocht wurden.
Einmal in der Woche hatte mein Großvater seinen großen Auftritt. Dann heizte er den Gropen an und Oma kam mit der Wäsche. Er saß geduldig davor und wartete bis alles bei mindestens 90° 'gargekocht‘ war. Dann kam alles in eine Balje und wurde zur Mangel getragen, die direkt mitten im Raum gestellt wurde. Also nur einmal umdrehen. Dort wurde dann das Wasser soweit  heraus gewrungen, bis sie reif für die Wäscheleine war. Unter der Decke, die schon nicht besonders hoch war, lief ein Doppel-T-Träger und jedes mal wenn ich darunter durch ging machte ich einige Klimmzüge daran. Ich war gut in Form damals. Als ich größer wurde, machte ich es nicht mehr, da nach oben keine ‚Luft‘ mehr war. Unter der Treppe im Vorraum zur Sommerküche war die Wasseruhr. Sie wurde im Winter sorgfältig abgedeckt und mit einer Kabellampe, natürlich mit einer Birne mit den geringsten Watt, frostfrei gehalten. Gleich daneben war noch ein gemauerter länglicher Trog, in dem das Schweinefleisch gepökelt wurde. Und was nicht eingekocht oder gepökelt wurde, konnte ganz oben auf dem Boden geräuchert werden. Die Räucherecke war sorgsam eingerichtet, so dass kein Brand entstehen konnte. Trotzdem würde es heute bei den Behörden keine Begeisterungsstürme auslösen. Ich glaube sogar, dass diese Räucherecke weder bei den Behörden noch bei der Versicherung bekannt war!
                                                                    
                   
Foto oben ist Paul Harms jun., der Enkel von meines Großvaters Halbbruder. Das Foto rechts ist wesentlich älter als das linke und das Haus meiner Großeltern steht auch noch nicht. Ich bin nie in der Wirtschaft gewesen, obwohl mir keiner von denen jemals etwas getan hat. 
Opa Auedeich hat sehr viele Postkarten aus Kiautschou geschrieben. Die Briefmarken hat mein Vater, als er zur Schule ging, abgelöst und seinem Lehrer Adolf  Albershard sen. vermacht (Scheisse³). Addi Albershard (war neben Gorch Fock und Wriede, Mitbegründer der Finkwarder Speeldeel) hat nicht nur meinen Vater 8 Jahre unterrichtet, ich habe ihn auch noch mindestens 2 Jahre als Lehrer an der Aueschule gehabt. Er hatte dort im Anbau eine Wohnung und dahinter auch noch einen Garten. Diese, die 2. Aueschule, ist noch immer im Betrieb. Die erste war in einem Privathaus untergebracht, das an dem Weg zum Deich rauf steht.
Als kleiner Junge habe ich einmal mitbekommen, dass mein Grossvater `am Ness´ aufgewachsen war. Ich fragte ihn darauf hin, ob er denn auch Gorch Fock gekannt habe, dessen Elternhaus (heute ein Museum) ebenfalls am Ness steht. Seine Antwort lautete: `Jung, worüm schull ick em denn nich kinnt hebben, wi hebt doch tosoom inne Sandkist speelt´.
Was mein Großvater zwischen den beiden Kriegen und im WK2 gemacht hat, ist mir nicht bekannt. Behalten habe ich eine Erzählung meiner Großmutter, dass die Engländer nach dem Zweiten überall Hausdurchsuchungen gemacht haben. So auch bei meinen Großeltern am Auedeich. Im Haus haben sie nichts gefunden und wollten dann auch den Schuppen hinterm Haus durchsuchen. Der Schuppen bestand überwiegend aus einem Schwinskoben mit einem Durchgang nach draußen, wo ein kleiner Auslauf war. Der Auslauf war kleiner als der Koben drinnen, aber dort konnten die Schweine wenigstens mal an der frischen Luft sein. Der Rest war Feuerholz und Gartengeräte…, bis auf ein zusammengerolltes kleines Etwas, das an sich hochkant und deshalb gut sichtbar am Futtertrog lehnte. Das konnten die Engländer aber nicht sehen, weil es von dem langen Rock meiner Großmutter, die sich davor gestellt hatte, verdeckt wurde. Die Engländer haben an ihr vorbei nach hinten gesehen, konnten dort aber nichts Verdächtiges erkennen und sind wieder abgezogen. Was sie nicht wussten war, dass in diesem Bündel eine Pistole war. Woher sie stammte, weiß ich nicht, aber wenn die gefunden worden währe, hätten die Engländer keinen Spaß verstanden, denn nach solchen Sachen haben sie ja gesucht. Später hat mein Vater sie, die Pistole, mit nach Weihe genommen. 
Nach dem 2. hat mein Großvater im Petroleumhafen bei der Fa. Haltermann gearbeitet. Nach seiner Pensionierung mit 65 Jahren, war er noch weitere 2 Jahre dort als Nachtwächter jede 2te Nacht tätig. Er mußte dort in mehr oder weniger regelmässigen Abständen seine Runden drehen. Eine Stechuhr brauchte er dabei aber nicht zu betätigen. Es war ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Haltermann sen. und den Mitarbeitern. Ich habe ihn dort abends oft besucht. Da ich bereits 14 Jahre war, bekam ich hin und wieder von ihm während der Kontrollpausen, die er ja selbst bestimmen konnte, auch schon mal ein kleines Bier ausgegeben. Oft ist er mit mir auch auf die Tanker gegangen, die zum Laden oder Löschen dort festgemacht hatten. Mein Großvater hat mir auch die Maschinenräume gezeigt. Von dem ersten großen Diesel den ich dort sah, wahr ich sehr beeindruckt. Es muss ein MAN gewesen sein. Auf der DW habe ich später die gleichen Maschinen gesehen und auch daran gearbeitet.
Einmal lag dort ein Tanker, den sie mit viel Glück geraden noch vom Großen Vogelsand in der Elbmündung gezogen hatten. Das war die Karen Ness, bei dessen Stapellauf ich als Kind mit dem Milchwagen auf der Werft bereits dabei war. Einmal hat es sogar gebrannt. Es war ein Haltermann-Tanker, der nebenan bei der Fa. Eva gelöscht wurde und dabei in Brand geraten war. Es soll ein undichter Flansch gewesen sein, erzählte mein Großvater. Die Rauchwolke war gigantisch und pechschwarz. 
Kaffee getrunken wurde dort auch. Das Kochen ging so schnell; keine Hausfrau kann es schneller! Neben dem Pausenraum war nämlich ein Kesselraum. Der Kessel wurde gebraucht, damit das schwerflüssig Rohöl angewärmt um überhaupt gepumpt werden zu können. Direkt am Kessel war ein kleiner doppelwandiger oben offener Behälter angebracht, wo das kalte Wasser eingefüllt wurde. Dann wurde der Dampf durch die Doppelwand geleitet. In Sekunden war das kalte Wasser sprudelnd heiß und konnte durch ein Ventil in in die mit Kaffeemehl versehene Kanne gelassen werden.
Bild unten: Beide in Sonntagskleidung. Ein seltener Anblick! Am Wohlsten haben sich beide in ´Alltagsklamotten` gefühlt, in denen sie im und am Haus ´pusseln und rummusseln´ konnten. Auf dem rechten Bild sitze die beiden mit Anja zusammen auf der Sandkiste, in der ich schon als Kind unter strengster Aufsicht gespielt habe.
                                
                           
Dahinter ist das Kellerfenster von der Sommerküche. Rechts ist noch die Platte zu sehen, die im Winter vor dem Fenster befestigt wurde. In deren Schutz steht noch eine Dose mit Verdünner. Opa muß wohl gerade den Pinsel geschwungen haben. Da das Haus nur auf  Kleiboden gebaut ist, hat der Frost den zementierten Boden rund um die Klärgrube immer wieder hoch gedrückt und rissig werden lassen.  Auch der Fenstersturz ist hier noch nicht repariert. Durch die in die Wand eingedrungene Feuchtigkeit ist das Moniereisen im Sturz angefangen zurosten und hat im laufe der Jahre den Riss entstehen lassen.

 Links ist das alte ausrangierte Plumpsklo zu sehen, das zum Zeitpunkt der Aufnahme nur noch als zusätzlicher Lagerraum diente. Im Vordergrund ist die erste Kammer von der Klärgrube zu sehen und darüber ragt die rechte Deichsel der ach so unhandlichen Schubkarre ins Bild. Die Klährgrube habe ich damals als dreizehnjähriger Junge ausgeschachtet. Ich wurde dazu ausersehen weil mein Opa zu alt war und mein Vater es in der Schulter hatte. Der unterste Ring wurde von uns an Ort und Stelle gerollt. Dann bin ich hineingestiegen und habe geschaufelt. Dabei habe ich den Boden immer ein bisschen weiter im Durchmesser ausstechen müssen, damit der Ring durch sein Eigengewicht nach unten rutschte. Es war recht mühsam und auch zeitraubend, weil es ein schwerer Kleiboden war und immernoch ist. Mein Vater mußte den Boden jedesmal vom Spatenblatt abkratzen, so klebrig war das Zeug. Was für einen Durchmesser die Ringe hatten kann ich nicht mehr genau sagen, aber es war sehr eng, wenn ich tiefer kam und ich den Spaten mit dem Blatt und dem Kleiboden daran saugendschmatzend lösen und bis über den kopf hebend in diese unhandliche Karre befördert habe. Dabei mußte ich aufpassen, dass ich mir nicht den Handrücken an der Betonwandung aufscheuerte. Bei etwas über einenmeterfünfzig war dann Schluß. Das war dann die Vorkammer und mit der zweiten Kammer ging es dann nahtlos weiter. Beim Verlegen der Rohre war ich dann nicht mehr  die Hauptperson, das konnte mein Vater trotz seiner Schulter dann machen. Die geklärten Abwässer landeten zu guter Letzt im Rattengraben.

Und das was meinem Großvater scheinbar am Wichtigsten war, is sin ole Pip, wie man auf dem Foto deutlich sehen kann. De dös he man ok blos buten smeuk´n. Son Schit ober ok. Was keiner ahnte war, dass seine Speiseröhre durch das runter geschluckte Rauchkondensat zu diesem Zeitpunkt bereits so geschädigt war, dass eine Heilung nicht mehr möglich war. Er konnte zuletzt nichts mehr runter bekommen. Ich habe ihn dann zum Röntgen nach Neu Wiedental gefahren. Als er wieder heraus kam, sagte er zu mir: De Dokter het to me sech, ik kan man wieder smeuk`n. Da wußte ich schon bescheid.
Meine Großeltern haben regelmäßig nachmittags Kaffee getrunken. Ein richtiges Ritual, und ich habe fast ebenso regelmäßig als Kind daran teilgenommen. Ich war stolz darauf und habe nicht bemerkt, daß ich nur Milch mit ein paar Tropfen Kaffee bekam - gerade soviel Kaffee das es einen ganz leichten Braunschimmer ergab. Diese Mischung wurde so angerichtet, dass ich es nicht mitbekam. Oma drehte mir dabei den Rücken zu. Die Tassen, aus denen ich damals getrunken habe, stehen jetzt bei uns im Regal. Ich kann nicht sagen, wie alt dieses Geschirr ist. Da aber meine Großeltern sehr vorsichtig waren und es auch nur einen Bombentreffer außendeichs in der Nähe gab, der keinen großen Schaden anrichtete, kann es sein, daß diese Tassen bereits älter sind als ich. Unter den Tassen kann man zwei Schollen sehen. Ich habe sie schon sehr lange, mindestens seit etwa 1990. Es handelt um die beiden letzten der getrockneten Schollen, die wir zusammen in Weihe gemacht haben. Ich habe sie immernoch!
Wie ich in den Besitz dieser Taschenuhr kam, weiß ich nicht mehr. Sie gehörte meinem Großvater, Wie man deutlich sehen kann, ist die Uhr zu ihrem Schutz von einem gefüttertem Blechgehäuse umgeben. Mein Großvater hat sie täglich benutzt, auch auf der Arbeit. Da ich sie lange nicht und schon garnicht intensiv genutzt habe, wollte sie nicht richtig mehr gehen. Der Uhrmacher hat umfangreichste Reparaturen diagnostiziert und die Abrechnung war mit 250 € bestimmt einiges (!!!) höher als ihr Anschaffungswert darstellt. Ob der Uhrmacher alles das ausgeführt hat, was er berechnet hat, glaube ich nicht. Er wird sie sicherlich nur in Waschbenzin gelegt und geölt haben. Es war mir aber auch egal. Hauptsache sie geht wieder tadellos und hin und wieder trage ich sie auch.
                  




                          
Bei dem Bierglas mit Goldauflage, habe ich in Erinnerung, dass es ein Geschenk zum 50. Geburtstag meines Großvaters war. Es ist heute also etwa ziemlich genau 72 Jahre alt. Er muß es in Ehren gehalten haben, denn ich habe ihn zu keiner Zeit daraus trinken sehen. Genauso habe ich es auch mit meinem Bämbel gehalten. Er hat auch noch keinen Tropfen Bier gesehen. Wie ich an dieses Geschirr, Bämbel und Uhr gekommen bin, kann ich nach diesen ganzen Querelen nicht mehr sagen.
In Erinnerung habe ich auch seine Verabschiedungen. Er sagte immer bewusst betont Adschüss. Es ist möglich, dass er das aus der Franzosenzeit übernommen hat und Adschüss die Abart von Adjö oder wie wird das geschrieben, ist. Ein anderes Wort war Demilon für den Glasballon mit dem er Wein machte. Von einer französischen Sekretärin habe ich erfahren, das der Begriff eigentlich aus dem Englischen kommt und Dame John bedeutet, was soviel heißen soll wie, dicke Dame. Über den Umweg über die Franzosen wurde dann möglicherweise Demilon daraus.
Die Tasche rechts, ist in Kriegszeiten aus sehr derben Tauwerk gemacht worden. Entweder hat mein Großvater, Opa Auedeich, sie für meine Oma gemacht oder er hat sie nach Fertigstellung, meiner Mutter geschenkt. Ich weiß nicht mehr, von wem ich sie habe. Später, als Kind, habe ich aber selbst gesehen, wie er aus gleichem Material auch Hausschuhe hergestellt hat. Da sich in der Tasche jetzt noch Tauwerk befindet, ist es auch möglich, dass sie nicht mehr bei meiner Mutter `zum Einsatz ´ kam, sondern nur noch seit Fertigstellung als Lager für das Tauwerk diente.
Später, als Jugendlicher, bin ich oft mit meinen Großeltern zu Hein Wüpper inn Busch gegangen.
Ich habe gegen den Wiederstand meiner Großmutter, unten im Keller einen Ölofen aufgestellt. Zögernd haben meine Großeltern den Wiederstand eingestellt; denn denen wurde der Arsch da unten allmählich auch zu kalt! Oben hatte ich bereits, natürlich auch gegen den Willen meiner Großeltern, einen Ölofen aufgestellt. Auch gegen eine Waschmaschine, die auf Rädern und zusätzlich noch auf einer dicken Gummimatte stand, damit ja keine Schwingungen nach unten drangen, wurden gewettert. Die Gummimatte stammt vom HFB aus einer Presse mit der Formteile hergestellt wurden. Der Gipfel aber war, dass meine Großmutter sagte, nachdem wir auch noch einen Kühlschrank oben hatten: ,Is dat hier boben dör den Keulschrank  nich küller worn"?  Irgendwann war es uns zu viel, zumal mein Vater sich, mit meiner stichelnden Mutter im Hintergrund, ebenfalls mehr und mehr gegen uns gestellt hatte. Wir sind dann kurzerhand und ohne Bescheid zu sagen, ausgezogen, wobei wir das meiste, genauer gesagt, fast alle unserer Möbel stehen lassen haben. Das Verhältnis zwischen uns, meinen Eltern und Großeltern, ist nie wieder so wie vorher geworden.
                          

Elisabeth, Anja und Opa. Es war sein letztes Weihnachtsfest 1969



 
 
 



das letzte Passbild von meiner Oma,
aufgenommen in Weihe