Onkel Gustav und Tante Antje
                          


                          
Oma Lorenz, Tante Grete mit Nichte Sigrid, älteste Tochter von Onkel Ewald, Onkel Gustav, Onkel Ewald und Hühner achtern Hus in Goarn un speelt Abeiderdenkmol ober man blos för den, de sik an den Knipskassen fastholt. Dat Bild is nu sowat bi söbentich Joar old. Bit up Sigrid left keiner  meer von jüm und de Hünner al lang nich.
Rechts: Onkel Gustav als Soldat. Er hat als Sanitäter in Holland seinen Dienst gemacht. Dabei, so wurde erzählt, hat er beim Marschieren mit seinem Nachbarn Schach gespielt, im Kopf. Die davor und dahinter laufenden haben gedacht, die beiden spinnen.
Oma Lorenz hat mir einmal erzählt, dass Onkel Gustav nicht seetüchtig war. Sonst währe er bei seinem Vater auf dem Kutter mitgefahren und vielleicht mit ihm im Okt.36 untergegangen. So hat er studiert und ist Arzt geworden. Seinen Berufsbeginn gestaltete sich recht schwierig. Er bekam keine Anstellung und war drauf und dran in die Ostzone überzuwechseln, wo Ärzte gebraucht wurden. Aber dann ergab sich die Möglichkeit nach Amerika zu gehen. Seine Tante Emma hatte für ihn gebürgt. Er bekam eine Anstellung in Barkley/LA. Dort musste er aber seine Doktorarbeit noch einmal wiederholen. Die Ammis wollten es so. Sehr schnell baute er sich dann auch ein Bungalow, wobei ich einmal ein Foto sah, als er den Pool selbst ausschachtete. Angefangen hatte er im Krankenhaus auf der Entbindungsstation und wechselte aber rasch in die Narkoseabteilung. Diesem Job ist er bis zur Pensionierung treu geblieben. Gewohnt hat er auf der anderen Seite und musste täglich über die Golden Gate Brücke hin und zurück fahren.
Onkel Gustav war mit seiner Familie zu Besuch in Deutschland und hat sich hier ein Auto gekauft, dass er mit nach drüben nehmen wollte. Einmal bin ich mit diesem Wagen am Tag nach einer Party am Baumwall beim Zoll aufgefallen. Der Wagen, ein DB 220 Sb, seinerzeit der dritt größte Wagen deutscher Fabrikation, hatte ein Zollkennzeichen, mit dem er nach Amerika sollte. Mein Onkel war zwischenzeitlich bereits nach Amerika zurück und ich sollte den Wagen später zur Spedition bringen. Dazu hatte ich alle Papiere und die wollten die Zöllner auch prompt sehen und nicht nur die..... Sie haben auf der Ablage eine ganze Menge Schallplatten von der Party gesehen und sich daraufhin auch den Kofferraum öffnen lassen. Oh, Oh ... was da alles drin war, habe ich nicht gewusst, sonst währe ich 'außen rum'  über Harburg gefahren. Nach beiläufigen Aussage de Zöllners hätte ich, wenn es hart auf hart gekommen währe, alleine für jede Schallplatte 50 Pfennige bezahlen können - damals ein Vermögen für mich! Unangenehm hätte es auch wegen des Bildes im Kofferraum werden können. Das Bild war aus dem Besitz meiner Tante aus Glückstadt und sollte mit nach 'drüben'. Als der Zöllner das sah, war es ihm zu viel und hat mich zu seinem Chef hinein geschickt. Dem habe ich alles noch einmal erklären müssen. Er hat mir nach reiflicher Überlegung dann endlich grünes Licht gegeben. Er hat nicht auf eine Expertise für das Bild bestanden, die ich mir in dem Fall in der Kunsthalle  (am Hauptbahnhof) hätte besorgen müssen. Man, war ich erleichtert und kuriert. Ich bin nie wieder so unbedarft durch den Zoll gefahren! Zu dem Zeitpunkt war ich noch auf der Werft und habe in den drei Wochen mehr für Benzin ausgegeben, als ich in der Zeit verdient habe. Das war mir egal und ich habe es genossen!

Tante Antje kommt aus Glücksstadt  Die Anschrift ist Alter Hafen 1. Das heisst, dass es sich um eine der alteingesessenen Familie handelt. Dort hat die Familie neben dem Wohnhaus noch einen grossen Lagerschuppen direkt am Kai, in dem unter anderem auch Kartoffel gelagert wurden bzw gelagert werden. Der Schuppen hatte keine Heizung. Die Ware wurde nur durch eine grosse Kerze frostfrei gehalten. Das eingelagert Gut wurde von den Wänden abgerückt,  so dass kein Kontakt besteht und der Frost nicht direkt an das Lagergut über geht. Die Kerze muss frei in der Mitte stehen. Sie erwärmt die Luft, die dadurch aufsteigt, sich dabei abkühlt und an den Wänden herunterfällt um wieder zur Kerze zurück zu kehren. Dann beginnt der ganze Vorgang von neuem.  Ich bin nur ein oder zweimal dort gewesen. Aber wenn Tante Antje in Finkenwerder war, hat sie uns auch hin und wieder eine kleine Aufmerksamkeit mitgebracht. Einmal war es ein Stückchen Seife in Form eines Kükens. Ich fand es damals so niedlich, dass ich es nicht benutzt habe, sondern in einen Personenwagen meiner Modelleisenbahn gesteckt habe. Dort befindet sich das Seifenstückchens nun seit ca. 70 Jahren.
         



            
In Amerika hat Tante Antje auch immer an uns gedacht und die oben abgebildeten Scheine und Münzen geschickt. Dummerweise habe ich einmal eine von den beiden Münzen verschenkt. Die Münze soll aus Silber sein und auch die beiden Scheine sind etwas besonderes. Leider habe ich vergessen, was es ist.

Irgendwann war meiner Tante, wie sie selbst sagte, der ewige Sonnenschein in LA zu viel. Sie wollte unbedingt hin und wieder mal eine Wolke sehen. Und so kam es auch. In Wiesbaden sollte das städtische Krankenhaus eröffnet oder neu besetzt werden. Onkel Gustav wurde auch in die engere, um nicht zu sagen, engste Wahl genommen. Doch der Professor wollte unbedingt seinen eigenen Narkosearzt mitbringen. Der war aber allem Anschein nach den Belastungen nicht gewachsen und verließ das Team Hals über Kopf 'bei Nacht und Nebel'. Daraufhin ist die Stadt an meinen Onkel herangetreten, der inzwischen eine Anstellung in Mainz gefunden hatte. Dabei muss die Stadt einige Zugeständnissen gemacht haben. Er durfte z.B. auf dem Sonnenberg ein Haus bauen, dass, so habe ich in Erinnerung, etwas größer als sonst erlaubt war und außerdem zu einem beachtlichen Teil außerhalb der Bebauungsgrenze lag. Ich bin überzeugt, dass das nicht das einzige war. Er hat dann sehr schnell die Leitung der Anästhesie übernommen. Mein Vater hat einmal gesagt, de olle Gizkrog'n, de hät von sin Büdget man jümmers Ofrikoners instilt, weil de billiger würn und he somit mir von dat Gilt har, wat he för wat anners utgeben kunn.. Aber irgendwann haben sie die Sonne dann doch wohl ein bisschen vermisst und haben sich ein Grundstück auf der La Manga in Spanien gekauft, dort ein Haus bauen lassen und viel genutzt. Es ist das oberste Haus links von der Strasse mit dem roten Flachdach an der engsten Stelle der La Manga. Ich war nur zweimal, andere Anverwandte öfter dort. Zu dem Zeitpunkt war das Haus meines Onkels das einzige weit und breit. Die anderen Häuser auf dem Bild wurden erst viel später errichtet. Das Haus befindet sich dort, wo das hinterste a von La Manga zu sehen ist.
Unten links das Auto. Mitte der traumhafte Blick aus dem Studio vom Sonnenberg aus auf Wiesbaden herunter. Darunter das Ferienhaus von Onkel Gustav  in Spanien auf der La Manga mit Bianca im Wasser.
             

                  





 Für unseren zweiten Urlaub auf der La Manga haben wir Tante Antje gefragt, die sofort ja sagte. Gleichzeitig hat mein Onkel seiner Sekretärin den Aufenthalt zugesagt. So kam es, dass wir uns alle dort trafen. Onkel und Tante, die gerade abreisen wollten, die Sekretärin mit Familie und wir. Tante Antje hatte, ohne das Onkel Gustav es wusste, schon vorher Tickets für Lhasa gebucht. Die Sekretärin mit Familie waren bereits eine Tage vorher da und wurden von Onkel Gustav ausquartiert in ein großes Zelt auf dem Grundstück, damit wir mit unseren Kindern vorerst das Haus alleine hatten. Dann hatte sich Sanna, die Tochter, mit ihrer Freundin angesagt. Wir haben sie mit unserem Auto vom Bahnhof in Murcia abgeholt. Die beiden haben dann die eine Hälfte vom Haus bewohnt und wir die andere. Vor seiner Abreise hat Onkel Gustav uns noch gebeten, n i c h t für seine Tochter und deren Freundin mit zu kochen! Sie sollten endlich einmal selbstständiges Handeln  lernen, war die Begründung. An ihrem Verhalten habe ich ganz deutlich gemerkt, wie verwöhnt sie, und nicht nur sie, auch ihre Brüder, waren es.
  

Onkel Gustav als "Hahn im Korb" im Kreise seiner Geschwister. Wo....?

Elle, Onkel Gustav, Onkel Ewald, Tante Manni  auf unserer Silbernen in Holm


   
Von Links. Peter, der Zweitälteste, Andi, der Vierte, Sanna, die dritte und Gussy der Älteste. Das davor kann die Frau von Gussy sein. Daneben die beiden Kinder von Sanna und ganz rechts steht Tante Antje. Tante Antje ist eine gestandene Klavierlehrerin und Sanna war sogar einmal Hessische Landesmeisterin im Klavierwettbewerb. Sie hat einen ebenfalls sehr musikalischen Ehemann gehabt, den ich nur einmal, anlässlich einer Feier in Weihe, kennen gelernt habe. Er verstarb kurze Zeit später. Von Gussy weiß ich, dass er einen tollen Job in England hat/hatte. Von Sanna weiß ich nicht, was sie beruflich gemacht hat. Peter war zwar auch gut drauf, scheint aber vom Arbeiten nicht viel gehalten zu haben. Sein Vater war mal mit ihm bei Hagenbeck und hatte ihn dort auch untergebracht. Nur die Stelle dort hat er nie angetreten. Es kann sein, dass er erkannt hat, dass das mit arbeit verbunden war. Und von Andi weiß ich eigentlich gar nichts. Ich bin sicher, dass Onkel Gustav genug Geld hinterlassen hat, dass sie davon gut leben können.
Von unserer Urlaubsbekanntschaft, der Sekretärin,  habe ich im Gespräch erfahren, dass er zu den Einkommensmillionären gehört hat. Tante Antje hat noch einmal mit mir telefoniert und Sanna habe ich noch mal ganz flüchtig auf der Beerdigung meines Vaters gesehen. Aber außer der Begrüßung,  hatte ich auch dort keinen Kontakt zu ihr. Das war auch das letztemal, dass ich direkten Kontakt mit der Familie von Onkel Gustav hatte.
Tante Antje kommt ja ursprünglich aus Glückstadt. Ihr Elternhaus ist "Am Alten Hafen Nr.1". Nach Glückstadt ist sie auch wieder zurückgekehrt, mit Onkel Gustav, den sie dort  in einem Pflegeheim unterbringen musste. Das habe ich bereits gemerkt, als sie das große Haus verkauft hatten, weil das für die Beiden alleine viel zu groß war. Allein die Stube hatte deutlich über 80 m². Sie sind dann nach Holm Seppensen zur Untermiete gezogen. Dort hatte er bereits so abgebaut, dass er sich auf dem Weg zu meinen Eltern nach Weihe, verlaufen hatte und gesucht werden musste. Davor hatte ich ihm einmal beiläufig erzählt, dass irgendwelche Werte bei mir bei Einlieferung auf 160 waren und der Chef von der Buchholzer Intensivstation mir stolz berichtete, dass sie nun, einige Tage später, auf 80 herunter waren. Da sagte er noch, das der Wert noch deutlich darunter liegen sollte, was ja auch nach 8 Tagen Intensivstation zutraf. Einige Zeit später kamen wir noch einmal auf dieses Thema zurück und er sagte mir zu meiner Bestürzung, dass er sich bereits soweit verabschiedet hat, dass er da nichts  mehr zu sagen könne. Das war meine letzte Unterhaltung mit ihm. Ich habe auch nie wieder etwas von diesem Teil der Familie gehört.
Nachtragen möchte ich noch, dass Peter einmal allein in Weihe war und einen Arzt benötigte, weil ihm schwindelig war. Er hatte sich den Kopf gestoßen. Meine Mutter rief einen Arzt aus Jesteburg an, der auch prompt kam. Er verlangte auch kein Honorar. Ihm genügte die Erklärung, dass sein Vater Arzt in Wiesbaden ist. Das scheint wohl gängige Praxis unter Gleichen zu sein.
Lange vorher hatte ich mit Onkel Gustav mal ein Gespräch, wo er mir die Augen über die Problematik, die unsere Erde betrifft, öffnete. Er verglich sie mit einem Glasballon, der zur Herstellung von Wein benutzt wird. Er sagte, dass der Most die Ressourcen unserer Erde sind und die Hefe die Menschheit ist. Wenn nun die Hefebakterien den im Most enthaltenen Zucker aufgebraucht haben, müssen sie zwangsläufig absterben, weil weder die Erde noch der Glasballon "Nachschub" bekommen kann. Woher auch. Es sind beides abgeschlossene Systeme. Von da an bin ich mit etwas kritischeren Augen durchs Leben gegangen und bin zu der Überzeugung gelangt, dass der Mensch die größte Fehlentwicklung der Evolution ist, abgesehen von einigen abgelegenen Naturvölkern, die aber auch stark von der sogenannte Zivilisation, negativ beeinflusst bzw. jetzt schon wegen der immer knapper werden Ressourcen ausgerottet sind oder werden. Die treibende Kraft dahinter sind nur einige wenige, die zu Lebzeiten mehr zusammenraffen, als sie je verbrauchen können, ja nicht einmal mit ins Grab bekommen werden. Kein Tier hat in Jahrmillionen seine eigene Lebensgrundlage aufgefressen, im Gegensatz zum Menschen, der ganz fleißig dabei ist und noch nicht mal ‚5 Minuten‘  auf der Welt ist.

----------------------------
Treffen sich zwei  Planeten irgendwo in den Weiten des Universums . Fragt der eine den anderen: "Wie gehts"? Sagt der andere:"Ach, ich habe gerade Mensch". Sagt der erste:"Mach dir keine grossen Gedanken, das geht schnell vorbei!
-----------------------------
            

----------------------------
 Und  dann war da noch eine Aussage von Sanna, die sie auf der La Manga gemacht hatte. Sie und ihre Freundin, eine Pastorentochter, sind  wie oben bereits erwähnt mit dem Zug bis Murcia gefahren, wo wir sie abholten. Irgendwann erzählte sie mir, dass ihre Eltern aufgrund ihrer 4 Kinder als bedürftige Kinderreiche galten und sie aufgrund dessen verbilligte Karten bei der Bahn bekamen und das, wo der Mann von der Sekretärin meines Onkels mir mal sagte, dass mein Onkel bestimmt ein Einkommensmillionär sei.
Mir gegenüber war er aber einmal sehr kniggerich. Ich hatte ihn  in Spanien gebeten, mir an einer Tankstelle in Deutschland einen Dachgepäckträger zu besorgen. Ich hatte seinen mit seinem Wissen aus Spanien mitgenommen und wollte in Wisbaden umladen. Es waren 57 DM und noch einige Groschen. Ich hatte bereits 55 DM zusammengesucht und kramte aus meiner linken Hosentasche noch zwei Mark zusammen. Nach den Groschen hatte ich Elisabeth gefragt, ob sie die aus unserer Kriegskasse nehmen könnte, bis mit einemmal Tante Antje von oben rief und bedeutete, dass ich wegen der paar Pfennige nicht weiter suchen sollte. Bis dahin hatte aber mein Onkel treu und brav die Hand aufgehalten.